______________________________________politik
zuletzt überarbeitet und aktualisiert: 5.2.2011
Liebe Besucherin, lieber Besucher dieser Website,
Sie sind hier, weil sie sich zu einem medizinischen Problem oder auch über
unsere Praxis informieren wollen, vielleicht sogar weil Sie krank sind und Hilfe
suchen; für Ihr Interesse möchten wir uns herzlich bedanken.
Vermutlich verspüren Sie gerade wenig Lust, sich mit gesundheitspolitischen
Fragen zu beschäftigen; dafür haben wir volles Verständnis.
Trotzdem möchten wir Sie bitten, sich ein paar Minuten Zeit zu nehmen, denn es
geht auch um Ihre medizinische Versorgung in den nächsten Jahren.
Was ist passiert?
Seit Januar 2009 gibt es nicht nur den sogenannten Gesundheitsfonds, sondern
auch neue Abrechnungsvorschriften für ärztliche Praxen.
Dabei bekommt jeder Arzt von der Krankenkasse einen festen Betrag für die
Behandlung eines Patienten pro Quartal, egal wie krank er ist oder wie oft er
behandelt werden muss. Gleichzeitig bekommt der Arzt nur so viele Patienten
bezahlt, wie er im Vorjahresquartal behandelt hat ( kommen mehr Patienten wie
z.B. durch eine Grippewelle, muss er Sie umsonst behandeln )
Was bedeutet das konkret ?
Für Fachärzte beträgt z.B. in der Neurologie der in
Bayern maximal bezahlte Betrag pro Patient zwischen 40 und 50 Euro im Quartal, darin sind
alle in 3 Monaten durchgeführten Untersuchungen, Hirnstrommessungen (EEG),
Nervenmessungen, Muskelableitungen, Ultraschall-Untersuchungen,
Beratungsgespräche, Briefe an den Hausarzt etc. enthalten. Nur wenig höher ist
der Betrag in der Psychiatrie, trotz der oft erforderlichen, zeitaufwändigen
Gespräche.
Bitte überlegen Sie: welche Dienstleistung bekommen Sie von anderen Berufen
für 50 Euro ?
Warum protestieren wir?
Durch die Pauschalierung verdienen Ärzte, die sich wenig Zeit nehmen und viele
Patienten (kurz) behandeln, viel mehr als Ärzte, die sich mehr Zeit nehmen
und ihre Patienten sorgfältig untersuchen und beraten. Ist das sinnvoll?
Für leichte Krankheitsfälle ( z.B. Behandlung von Kopfschmerzen ) bekommen wir
in diesem System fast genauso viel Geld wie für die Behandlung schwieriger und
chronischer Krankheiten wie z.B. Multiple Sklerose, Parkinson oder Depression.
Dabei brauchen gerade diese Patienten unsere Zeit und unsere Betreuung. Welcher
Arzt kann es sich in Zukunft unter diesen Bedingungen noch leisten, chronisch
Kranke zu behandeln?
Warum ist das so?
Die Pauschalierung und auch die Begrenzung der Patientenzahl pro Quartal dienen
"zur Verhinderung der Ausweitung der ärztlichen Tätigkeit", so steht
es im Gesetz, d.h. Politik und Kassen reduzieren ganz bewusst die ärztliche
Versorgung der Bevölkerung auf ein Mindestmaß herunter.
Ein Tag im Krankenhaus kostet heute ca. 300-400 Euro, 3 Monate
Facharztbehandlung in der Praxis werden noch mit 40 - 50 Euro bezahlt.
Umgerechnet heißt das: für 1 Tag im Krankenhaus wird heute soviel
bezahlt wie für 2 Jahre ambulante Facharztbehandlung. Lange werden die
Facharztpraxen diese ungleiche Konkurrenzsituation kaum durchhalten.
Leider wird diese Problematik auch von den Medien noch nicht erkannt und die
Berichterstattung beschränkt sich derzeit häufig darauf, uns Ärzte pauschal
als verantwortungslos und gierig darzustellen.
Was tun wir?
Unsere Praxis wird versuchen, ihre medizinische Betreuung möglichst auf dem
bisherigen Niveau zu halten. Bitte haben Sie aber Verständnis, dass wir nicht
dringende Untersuchungen auch ggf. über mehrere Quartale verteilen müssen und
Ihnen nur im Ausnahmefall mehrere Gesprächstermine pro Quartal anbieten
können.
Wir werden über verschiedene Aktivitäten versuchen, unsere Patienten und die
Öffentlichkeit über die Entwicklungen im Gesundheitswesen aufzuklären.
Was können Sie tun?
Wenn Sie mit dieser Entwicklung einverstanden sind, dann:
Wenn Sie über diese Entwicklung
besorgt sind, dann:
-
Informieren Sie sich weiter.
-
Seien Sie kritisch. Nicht
alle Medienberichte sind sachkundig und objektiv.
-
Fragen Sie nach, wenn Sie
etwas nicht verstehen.
-
Unterstützen Sie uns in
Gesprächen und Diskussionen.
-
Vergleichen Sie die
Leistungsangebote der Kassen und machen Sie ggf. von Ihrem Kündigungsrecht
Gebrauch.
-
Achten
Sie auf die gesundheitspolitischen Aktivitäten der neuen Bundesregierung und des
neuen Gesundheitsministers Dr Rösler, der grundsätzliche Änderungen angekündigt, bisher
jedoch noch nichts konkret unternommen hat.
-
Bitte schenken Sie uns weiter
Ihr Vertrauen:
Wir wollen Sie weiterhin gut behandeln !
Wir möchten
dafür auch ausreichend bezahlt werden !
Wir wollen beides erreichen und werden uns weiter dafür einsetzen.
Für weitere Informationen empfehlen wir Ihnen die Lektüre des Buches
"Patient in Deutschland - Verraten und verkauft" der Medizin-Journalistin Gaby Guzek. Eine ausführliche Leseprobe finden Sie
hier.
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